In welcher Sprache soll ich meine Songs schreiben? Diese Frage habe ich mir sehr oft gestellt.
Einerseits finde ich, die englische Sprache ist eine sehr „leichte“ Sprache. Damit meine ich nicht den Schwierigkeitsgrad um sie zu erlernen, sondern mehr den Ton und Klang. Sie ist für den Singsang deshalb sehr gut geeignet. Sie legt sich wohlig in einfache Melodien und ist nicht so kantig und schwer wie die deutsche Sprache.Andererseits hat man einen ganz anderen Wortschatz und ein ganz anderes Gefühl für die Muttersprache. Es ist einfachere fehlerfreie Texte zu schreiben und seinen Gefühlen präzise Ausdruck zu verleihen.
Ich habe allerdings mal die Ehre gehabt mit der talentierten schwedischen Singer Songwriterin Anna Ternheim zu sprechen. Sie hat Auszeichnungen für ihr herausragendes Texten bekommen. Doch auch wenn sie in ihrer Sprache an Orte kommt, an die sie mit einer Zweitsprache nicht kommt, benutzt sie englisch um Songs zu schreiben. Ihre Begründung ist die: „Man hat keine große Verantwortung und Bindung an die Sprache und kann dementsprechend lockerer damit umgehen. Man limitiert sich, aber das muss nichts Schlechtes sein. Es geht auch nicht immer darum das präziseste Wort zu finden. Es zu beschreiben ist manchmal viel interessanter und nahbarer. Durch die Limitierung ist es auch einfacher und produktiver, vielleicht sogar kreativer.“ Man könnte es mit einem Supermarkt vergleichen. Wenn dieser 1000 Sorten Frühstücksflocken hat, dauert der Entscheidungsprozess lange und man denkt sich am Ende immer „Hätte ich nur doch die anderen genommen.“Wenn es nur eine Sorte gibt, dann nimmt man die und holt sich noch ein bisschen Obst und Nüsse um sich erfinderisch sein eigenes, perfektes Müsli zu kreieren.
Wichtig bei der Auswahl der Sprache finde ich persönlich, dass man sich wohlfühlt. Wenn man sich jetzt zwingt, in einer Fremdsprache zu schreiben, nur weil man das Gefühl hat, das kommt besser rüber und man steht da nicht wirklich hinter oder spricht die Sprache kaum, kommt das beim Zuhörer an.
Am besten probiert man sich aus. Es ist auch nicht schlimm, wenn man 40 Songs nur zur Hälfte schreibt und alles wieder über den Haufen wirft. Das gehört zum Prozess dazu. Um den Prozess des Schreibens, soll es dann auch nächste Woche gehen.
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